Ausdrucksmittel einer Generation

Skate-Legende Titus Dittmann zu Gast im Schlachthof

 

Vom 18.02.2008
 
Von

Daniel Duben

WIESBADEN Die 400 Quadratmeter großen Skatefläche des Collosseums am Schlachthof ist etwas staubig. Das scheint die zehn Jungs aber nicht weiter zu stören. Sie fahren auf ihren Skateboards Rampen hinauf, springen wahlweise hoch oder weit und vollführen Tricks, bei denen man sich durchaus berechtigte Sorgen um die Gesundheit der Jugendlichen machen könnte. Im Hintergrund läuft Musik, die man gemeinhin als Skate-Punk bezeichnet. Schnell, gitarrenlastig und laut.

"Skaten war früher Ausdrucksmittel einer ganzen Generation und ist es heute auch noch", sagt Titus Dittmann. Er muss es wissen. Schließlich gilt Dittmann als der Begründer des Skatens in Deutschland. Das war vor rund 30 Jahren. Vielleicht ist er auch deshalb in der Lage, das Mysterium hinter den Brettern mit vier Rollen besser erklären zu können als so manch anderer.

Zehnmal über Bank springen

Die junge Generation stehe gestern wie heute vor dem Problem, dass sie noch nicht wisse, was sie wolle, aber schon ziemlich genau wisse, was sie nicht wolle, betont Dittmann: "Da sind die Erwachsenen den Jugendlichen in fast jeder Situation überlegen." Wenn nun aber ein Skater vor den Augen eines Erwachsenen im Park zehnmal über eine Bank springe, zehnmal auf die Fresse falle und es trotzdem ein elftes Mal probiere, löse das bei dem Erwachsenen nur unverständliches Kopfschütteln aus. "Der Jugendliche weiß aber, dass er ein Ziel verfolgt, das der Erwachsene nicht versteht."

Ob sich auch Levi Einhauser mit seinem Skateboard von der Welt der Ausgewachsenen abgrenzen will, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass sich der 13-Jährige darüber freut, den Mann zu treffen, der das Skaten in Deutschland geprägt hat wie kein zweiter. "Ich kenne Titus nur aus dem Fernsehen", gesteht der Schüler. Eigentlich sei er heute nur gekommen um Skateboard zu fahren. Nun steht er aber gemeinsam mit rund 20 Gleichaltrigen neben Titus Dittmann und lauscht seiner Geschichte.

Titus, damals noch besser bekannt unter seinem bürgerlichen Namen Eberhard Dittmann, studierte Sport und Geographie. Während seines Referendariats gründete er in der Schule eine Skateboard AG und schrieb seine zweite Staatsexamensarbeit über den pädagogischen Wert des Skateboardens im Schulunterricht. "Das war die erste wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema", berichtet Dittman stolz.

Skatepark in Münster

Während andere verbeamtete Lehrer ihr Gehalt in Reihenhäuser investierten, steckte Dittman sein Geld in den Aufbau eines Skateparks in Münster. "Damals haben mich meine Kollegen für verrückt erklärt", erinnert er sich. Doch sein Mut wurde belohnt. Vor 30 Jahren gründete er die Firma Titus, die bis heute Skateboarder der gesamten Republik mit Boards und den dazu passenden angesagten Klamotten ausstattet. Darüber hinaus rief er 1982 den ersten "Monster Mastership", eine Art Skateboard-Weltmeisterschaft, ins Leben.

Zwar steht Dittmann nach eigenen Angaben heute nicht mehr so oft auf dem Board wie früher, dann und wann packe ihn aber doch noch die Lust: "Das sieht heute aber schon sehr oldschoolmäßig aus", meint er. Wie könnte es auch anders sein. Schließlich steht Titus, wie ihn auch im Collosseum alle nennen, seit 30 Jahren auf dem Brett, das für ihn die Welt bedeutet.

Quelle:http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3166775